Die überlieferte Messe im Römischen Ritus — Aufbau, Bedeutung und Riten verständlich erklärt.
Die Heilige Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus (auch Tridentinische Messe oder Alte Messe genannt) folgt dem Missale Romanum in seiner Fassung von 1962. Sie ist die Liturgie, die über Jahrhunderte organisch gewachsen ist und von den Heiligen aller Zeiten gefeiert wurde.
In der Messe wird das Kreuzesopfer Christi sakramental gegenwärtiggesetzt — unblutig, aber wirklich. Christus selbst ist es, der im Priester handelt und sich dem Vater aufopfert.
Die Messe besteht aus feststehenden und wechselnden Teilen.
Das Ordinarium (lat. ordo = Ordnung) umfasst die Teile, die in jeder Messe gleich bleiben: Stufengebet, Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Canon (Wandlung), Pater Noster, Agnus Dei, Ite missa est und das Schlussevangelium. Wer diese Texte kennt, kann jede Messe sofort mitverfolgen.
Das Proprium (lat. proprius = eigen) sind die Texte, die je nach liturgischem Tag wechseln: Introitus, Oration, Lesung, Graduale, Evangelium, Offertorium, Secreta, Communio und Postcommunio. Sie spiegeln das jeweilige Fest oder den Sonntag wider und geben der Messe ihren besonderen Charakter.
Auf dieser Seite sind die Proprien-Texte für jeden Sonn- und Festtag im Kalender abrufbar — einzeln und als zweisprachiges Booklet.
In der überlieferten Messe zelebriert der Priester ad orientem — dem Herrn zugewandt, in dieselbe Richtung wie das Volk. Der Hochaltar steht in der Regel an der Ostwand des Chorraums, mit dem Tabernakel in der Mitte und dem Kruzifix darüber.
Die beiden Seiten des Altars haben liturgische Bezeichnungen:
Die Altarstufen bilden einen dreistufigen Aufstieg: Sie stehen für den Weg der Seele zu Gott — vom Vorhof (Stufengebet) über die Stufen des Gebets zum Sancta Sanctorum, dem Allerheiligsten auf dem Altar.
An Sonn- und Festtagen im Hochamt beginnt die Liturgie noch vor der eigentlichen Messe:
Einzug. Der Priester zieht mit den Ministranten von der Sakristei zum Altar. In feierlichen Ämtern begleiten Diakon und Subdiakon mit Vortragekreuz und Leuchtern. Die Gemeinde steht.
Asperges me / Vidi aquam. Im Hochamt wird das Volk vor der Messe mit Weihwasser besprengt. Dies geschieht unter dem Gesang des Asperges me (Ps 50,9: „Besprenge mich mit Ysop, und ich werde rein"). In der Osterzeit wird stattdessen das Vidi aquam gesungen („Ich sah Wasser hervorströmen aus dem Tempel"). Die Besprengung erinnert an die Taufe und bereitet die Seele auf das heilige Opfer vor.
Die Messe gliedert sich in drei Hauptteile:
Am Fuß der Altarstufen: Psalm 42 („Sende dein Licht und deine Wahrheit"), Confiteor (Schuldbekenntnis) und Aufstieg zum Altar. Mit dem Altarkuss beginnt die Messe.
Der Eingangsgesang aus dem Proprium — er stimmt auf das Thema des Tages ein und gibt vielen Sonntagen ihren Namen (z. B. Gaudete, Laetare).
Dreimal dreifacher Ruf um Erbarmen, dann der Lobgesang der Engel (Gloria in excelsis Deo). Das Gloria entfällt in Buß- und Trauerzeiten.
Der Priester sammelt die Gebete der Gemeinde und richtet sie an Gott. Die Oration wechselt täglich — sie gehört zum Proprium.
Die Epistel (Lesung, meist aus den Apostelbriefen) wird auf der Epistelseite gelesen. Es folgt der Antwortgesang (Graduale, Tractus oder Alleluja). Dann verkündet der Priester das Evangelium auf der Evangelienseite — alle stehen und wenden sich dorthin.
Das Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel. Bei „Et incarnatus est" (Menschwerdung) beugen alle das Knie.
Brot und Wein werden Gott dargebracht. Ein Tropfen Wasser im Wein symbolisiert die Vereinigung der menschlichen Natur mit der göttlichen. Der Priester wäscht sich die Hände (Lavabo).
Der Dankhymnus leitet den Opferkanon ein. Er mündet in den Ruf der Engel: „Sanctus, Sanctus, Sanctus — Heilig, heilig, heilig!"
Das Herzstück der Messe. In heiliger Stille spricht der Priester die Einsetzungsworte Christi über Brot und Wein. In diesem Augenblick werden sie wahrhaft zu Leib und Blut Christi. Die Glocke erklingt, alle knien — es ist der feierlichste Moment der Liturgie.
Das Gebet des Herrn — der Priester betet es allein, die Gemeinde antwortet mit dem Schlussvers. Vorbereitung auf die Kommunion.
Dreimal das „Lamm Gottes", dann das dreifache „Domine, non sum dignus" (Herr, ich bin nicht würdig). Die Gläubigen empfangen die Kommunion kniend an der Kommunionbank — auf die Zunge, aus den geweihten Händen des Priesters.
Dankgebet, Segen und Entlassung: „Ite, Missa est — Gehet hin, ihr seid gesandt!"
Der Prolog des Johannesevangeliums („Im Anfang war das Wort…"). Bei „Et Verbum caro factum est" beugen alle das Knie.
Wer zum ersten Mal eine überlieferte Messe besucht, muss nichts Besonderes können — es genügt, aufmerksam und ehrfürchtig da zu sein. Einige Gebräuche helfen, sich einzufügen: